Schale mit dunkler Suppe, garniert mit Petersilie, umgeben von weihnachtlicher Dekoration und weiteren Tellern mit Gebäck und Beilagen
Bild: Adobe Stock

Wie Speisereste neue Energie liefern

Vom Bratenfett zum Biogas

Auch wenn in diesem Artikel viel die Rede von Fett ist – es geht hier nicht um Empfehlungen zu kalorienarmem Essen oder Bewegungstipps. Doch gerade in den Wintermonaten tendieren die meisten von uns zu deftigen Speisen. Ein Großteil der Öle und Fette, die auf Koch- und Essgeschirr verbleiben, wandern beim Abwaschen in die Kanalisation – und erhöhen in den Rohren die Gefahr von Ablagerungen.

Die Kochgewohnheiten der Braunschweiger und der Umgang mit den Speiseresten beeinflussen also wesentlich die Beschaffenheit des Kanalnetzes. Wer demnächst die Weihnachtsgans mit Rotkraut und Klößen zubereitet oder generell gerne mit Fett und Öl kocht und brät, kann selbst einiges dafür tun, dass die Abflussrohre im Haus und die öffentlichen Schmutzwasserkanäle in gutem Zustand bleiben.

„Wo gewerblich in größerem Umfang gekocht und abgewaschen wird, ist vom Gesetzgeber der Betrieb von Fettabscheidern vorgeschrieben“, erklärt Bastian Gent, Teamleiter Bereich Netz, Abscheider und Sinkkästen bei der Stadtentwässerung Braunschweig GmbH (SE|BS). So soll der „Inkrustierung“ des Kanalnetzes, wie Fachleute sagen, vorgebeugt werden.

Drei Tipps für Zuhause

  • Beim Kochen in privaten Haushalten empfehlen Experten, Speisereste auch von Tellern und Kochgeschirr über den Hausmüll zu entsorgen und nicht über Toilette, Spüle oder Spülmaschine in die Kanalisation. Fettreste z. B. aus Pfannen oder Brätern sollten kurz vor dem Erkalten mit Küchentüchern ausgewischt und diese ebenfalls über den Hausmüll entsorgt werden.
  • Pfannen mit Öl- und Fettrückständen nicht mit heißem Wasser abspülen, da das Fett dann in den Abflusss gelangt und dort aushärtet.
  • Frittieröl muss extra entsorgt werden, das gilt nicht nur für die Gastronomie, sondern auch für private Haushalte. Kleine Mengen Frittieröl können ausgehärtet in den Hausmüll entsorgt werden, am besten in einen extra Behälter gefüllt, größere Mengen sollten beim Wertstoffhof abgegeben werden.

Fett und Speisereste von Tellern und Töpfen

In den Schmutzwasserkanälen muss der Rohrdurchmesser konstant bleiben, damit Abwasser auch bei hohem Aufkommen störungsfrei fließen kann. Dafür sind Mitarbeiter der SE|BS rund ums Jahr mit Spezialfahrzeugen unterwegs, um die Kanalisation zu warten und zu reinigen. Aber auch, um in Restaurants, Mensen und Imbissen regelmäßig Öle, Fette und Essenreste aus Fettabscheideeinrichtungen zu entsorgen. In diese Fettabscheider „gelangen ausschließlich Stoffe, die beim Abwaschen von Tellern, Bestecken, Töpfen und Pfannen anfallen“, erläutert Gent.

So funktioniert ein Fettabscheider: Das Fett-Schlamm-Wassergemisch aus Spülmaschinen und Küchenwaschbecken gelangt über ein Prallblech, das die Fließgeschwindigkeit verringert, in den Fettabscheidebehälter. Dort funktioniert die Trennung in drei Phasen nach physikalischem Prinzip: Fett und Öl mit geringerer Dichte als Wasser schwimmen nach oben, Speisereste sinken wegen höherer Dichte ab. In der Mitte des Abscheiders befindet sich nun das von Fetten und Feststoffen befreite Wasser. Ein Fettabscheider muss so dimensioniert sein, dass sich das Schmutzwasser lange genug im Behälter befindet, damit sich die Inhalte entsprechend trennen können.

Pflasterstraße mit parkenden Fahrzeugen, darunter ein weißer SUV und ein MAN-Lkw vor einem weißen Gebäude mit mehreren Fenstern
Oft sind Rangierkünste gefragt, wenn die Mitarbeitenden der SE|BS ihre Sonderfahrzeuge so nah wie möglich an den Fettabscheideranlagen parken – die Länge der Saugschläuche ist schließlich begrenzt. Bild: Karsten Mentasti
Zwei Männer mit Arbeitshandschuhen bedienen in einem Kellerraum eine blaue Maschine mit orangefarbenem Motor
Siegfried Hänel und die Auszubildende Marie-Luise Moreau leeren mit einem Saugschlauch den kompletten Inhalt des Fettabscheiders (blauer Behälter) und lösen gleichzeitig über einen (dünneren) Druckschlauch Anhaftungen an der Behälterinnenseite. Bild: Karsten Mentasti
Frau mit gelben Arbeitshosen und grünen Handschuhen rollt einen großen Schlauch an einer Wand auf, neben einem weißen Fahrzeug mit technischen Anschlüssen
Die Auszubildende Marie-Luise Moreau achtet darauf, dass der Absaugschlauch wieder richtig aufgerollt wird – für den nächsten Einsatz am nächsten Standort. Bild Karsten Mentasti

Mittlere Phase fließt in die Kanäle ab

Das Wasser, also die mittlere Phase, verbleibt nicht im Fettabscheider, sondern fließt über einen Ablauf im freien Gefälle in die städtische Schmutzwasserkanalisation ab. Eine Tauchwand sorgt dafür, dass dabei die oben schwimmende Fett-Öl-Schicht im Fettabscheider verbleibt. Steht der Fettabscheider im Keller, pumpt eine rückstausichere Hebeanlage das Wasser auf ein höheres
Niveau, damit es von dort in die Kanalisation abfließen kann. Fettabscheider in gewerblichen Betrieben werden regelmäßig von Dienstleistern wie der SE|BS entleert, gereinigt und gewartet. Wie oft entsorgt wird, wird jeweils nach Bedarf festgelegt. Die Intervalle liegen zwischen drei Wochen und einem halben Jahr.

Siegfried Hänel und Marie-Luise Moreau, Auszubildende bei der SE|BS im zweiten Lehrjahr, zeigen beispielhaft im Restaurant „Genuss-Tresor“ am Bankplatz, wie der Inhalt von Fettabscheidern entsorgt wird. Drei entsprechende Entsorgungsfahrzeuge hat die Stadtentwässerung Braunschweig GmbH im Einsatz, der Abwassertank von Hänels Fahrzeug hat ein Volumen von 9.500 Litern. Dazu kommt noch ein Frischwassertank mit 4.000 Litern Fassungsvermögen.

50 Meter Schlauch – das muss reichen

Einen Platz zum Parken zu finden, ist meist schon die erste Herausforderung. „Natürlich haben wir eine Sondergenehmigung“, sagt Hänel, weiß aber, dass sein LKW manchmal im Weg steht. Bei der Gaststätte am Bankplatz müssen Hänel und Moreau die mitgeführten Schläuche über einen Hinterhof und eine Treppe bis zu einem Raum im Keller legen. Dazu benötigen sie fast die gesamte Schlauchlänge von 50 Metern. Wenn die beiden dann den Fettabscheider öffnen und das Absaugrohr einführen, riecht es nicht gerade angenehm. „Man gewöhnt sich schnell daran“, sagt die Auszubildende Moreau.

Der Fettabscheidertank ist in ein paar Minuten geleert. Parallel werden die Innenwände über Schächte mit einem Druckwasserschlauch von Anhaftungen befreit. Dann wird der Behälter bis zur Unterkante des Ablaufrohres mit Frischwasser
aufgefüllt. Die beiden Mitarbeitenden der SE|BS sind nun fertig, verstauen die Schläuche wieder auf ihrem Sonderfahrzeug. Rund eine halbe Stunde dauert so ein Entsorgungsvorgang bei einer durchschnittlichen Volumengröße von 1.000 Litern.

Ist der Tank des Sonderfahrzeugs voll, wird der Inhalt im Klärwerk Steinhof entleert und in die dort betriebenen Faultürme gepumpt. Mikroorganismen bauen bei warmen 55 Grad Celsius die Fette ab, es entsteht energiereiches Faulgas. „Das Prinzip ist das Gleiche wie bei Biogas-Anlagen“, erläutert Christoph Siemers, Bereichsleiter Betrieb Abwasser bei der SE|BS. Mit dem Gas wird auf dem Gelände der Kläranlage ein Blockheizkraftwerk zur Stromgewinnung betrieben. Die nachhaltig erzeugte Energie wird vor Ort zur Versorgung des Klärwerkbetriebs verwendet.

Das Klärwerk Steinhof ist Eigentum des Abwasserverbandes Braunschweig. Die technische Betriebsführung liegt bei der Stadtentwässerung Braunschweig GmbH (SE|BS).

Beratung zur fachgerechten Leerung, Reinigung und Entsorgung der Inhaltsstoffe von Fettabscheideranlagen bei der Stadtentwässerung Braunschweig GmbH:

Mark Elster: 0531-383 45613, 
mark.elster@se-bs.de

Nick Jäger: 0531-383 45616, 
nick.jaeger@se-bs.de

Energie.bündel Das könnte auch interessant sein